FESTIVAL 2019

SUN RA ARKESTRA

Der vielleicht größte Bandleader aller Zeiten, Sun Ra, ist leider schon 1993 auf sein Raumschiff gestiegen und hat die Erde wieder Richtung (neue) Heimat verlassen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte die Afrofuturismus-Legende hunderte Platten mit seinem Arkestra aufgenommen. Dieses Jazz-Orchester, das als Band, Clique und Leidens- wie Glaubensgemeinschaft in die Geschichte der Musik eingegangen ist, hat seit Bestehen (in verschiedenen Konstellationen) wie kaum eine andere Kombo den Jazz mitgeprägt. Modal-, Avantgarde- und Free-Jazz gehen hier Hand in Hand; seit Sun Ras Tod unter der Leitung des mittlerweile 95jährigen Alt-Saxophonisten Marshall Allen, der schon zu Lebzeiten auch die rechte Hand des All-Gleiter-Kapitäns war. So gilt auch im sechsten Jahrzehnt des Bestehens des Arkestras: Space is the Place!

Das Week-End Fest präsentiert gemeinsam mit dem Kölner Filmverleih Rapid Eye Movie und dem Kino Lichtspiele Kalk zwei exklusive Screenings des Films “Space is the Place”. Am Samstag, 19.10. und Sonntag, 20.10. jeweils um 15:00 Uhr. Der Eintritt für Besitzer*innen eines Festival-Tickets ist frei!

Tirzah

Eine der besten Eigenschaften der britischen Newcomerin Tirzah dürfte ihre Geduld sein. Zumindest lässt sich die Londonerin nicht stressen, sondern veröffentlichte erst 2018 ihr Debüt-Album „Devotion“, obgleich schon seit 2013 die A&Rs Reihe standen. Damals veröffentlichte sie ihre Debüt-Maxi „I’m Not Dancing“ bei Greco-Roman, dem Label vonHot Chips Joe Goddard. Damals wie heute überzeugt nicht nur die außerordentliche Reife des Songwritings, sondern auch die umwerfende Produktion. Dafür zuständig: Mica Levi aka Micachu – seit der Schulzeit die beste Freundin von Tirzah. Die oscar-nominierte Künstlerin beweist auch hier ihr Gespür für weird-poppige Samples, UK-Bass- und Post-Dubstep-influenced und jede Menge „richtiges Timing“. Auf diesem Bett aus Sounds und Emotionen, macht sich Tirzah breit, fläzt sich zwischen die Laken, umarmt ihr Kissen und schreibt unfassbar genauen, zärtlichen und ergreifenden R’n’B.

Fred Frith Trio

In der Welt des Komponisten Fred Frith spielen Konventionen eine untergeordnete Rolle. Zu seinem 70. Geburtstag wird man das freigeistige Moment des Engländers beim Week-End Fest gleich im Dreier-Format des Trios bestaunen dürfen. Neben Schlagwerk und Bass wird Frontmann Frith seine virtuosen Kompositionen und Improvisationen an der E-Gitarre darbieten. Diese ekstatischen Exkurse schrammen häufig knapp am Noise vorbei und untersuchen die Grenzen von Jazz, Rock, Folk und komponierter Musik. Davon überzeugen konnten sich eine ganze Reihe an Musiker*innen, mit denen Frith in den letzten 50 Jahren zusammenarbeite; darunter namhafte Jazz-Komponisten wie John Zorn und Peter Brötzmann und Pioniere des britischen Avantgarde-Pop wie Brian Eno und Robert Wyatt, aber auch der Theatermacher und Komponist Heiner Goebbels; um nur einige zu nennen.

Eiko Ishibashi

Eiko Ishibashi zählt schon seit einigen Jahren zu einer Schlüsselfiguren in der Musikszene Japans. Dort hat Ishibashi hat einen gewaltigen Eindruck hinterlassen und dafür gesorgt, dass die häufig endozentrierte Pop-Szene auch im entfernten Europa und anderswo auf der Welt gehört wird. Ob mit dem Krachmacher Masami Akita aka Merzbow, Langzeit-Kollaborateur Jim O’Rourke oder auch der Kölner Kombo Von Spar, beweist die Japanerin ein sorgsames Songwriting und das Fingerspitzengefühl für den richtigen Ton zur richtigen Zeit. Dies bewies sie auch letztjährig auf „The Dream My Bones Dream“, der LP, die sie kurz nach dem Tod ihres Vaters begann. Eine weise Rückschau, ein intimes Nacherleben, eine exprimentelle Reise zu den eigenen Wurzeln – festgehalten in neun erstaunlichen Songs.

Arthur Verocai & Orchestra

Arthur Verocai, der in den späten 1960ern mit Orchester-Arrangements für Künstler*innen wie Ivan Lins, Jorge Ben, Gal Costa, Quarteto em Cy, MPB 4 oder Marcos Valle auf sich aufmerksam machte, veröffentlichete 1972 sein selbstbetiteltes Debüt-Album, welches einen wichtigen Wendepunkt in der populären Musik Brasiliens darstellen sollte. Verocai verabschiedet sich hier leise vom Tropicalia der Sechziger Jahre, lehnt sich vorsichtig Richtung Jazz und Rock und leutet damit den Übergang zur Fusion-Welle der Siebziger und Achtziger ein. Doch entgegen seines heutigen Stellenwerts war es Anfang der 70er Jahre hinsichtlich der Verkäufe ein Schuss in den Ofen. Doch mit drei Jahrzehnten Verspätung wurde das Album, welches bei Platten-Nerds als Original für um die 2500 € gehandelt wurde, endlich wieder wiederveröffentlicht – seitdem steigenden Interesse weiter Arbeit sind inzwischen noch zwei weitere Alben entstanden – und Verocai ein gefragter Komponist und Arrangeur; das war er wohlgemerkt zeitlebens. Nichtsdestotrotz gilt vielen Bewunderern der Música Popular Brasileira das selbstbetitelte Werk als Kronjuwel; ein Grund mehr für Arthur Verocai die Platte wieder aufzuführen. Beim Week-End Fest wird das wegweisende Album mit einem eigens für diesen Abend zusammengestelltem Orchester aufgeführt. Wie sagt man so schön: Once in a Lifetime!

“I could listen to the Arthur Verocai album everyday for the rest of my life,” (Madlib)

"One of the most beautiful records - front to back" ' (Alexander Sowinski, BadBadNotGood)

"Die meistverkaufte Brazil-Platte bei uns bei Groove Attack" ' (Tim Purnell, Twit One)

 

SCIENTIST
& Upper Cut Band +Tito Bun

Hinter dem Namen Hopeton Overton Brown verbirgt sich der jamaikanische Produzent Scientist, einer der Veteranen des Dubs der letzten 40 Jahre. Neben King Tubby, dessen langjähriger Schüler Scientist war, und Lee ‘Scratch’ Perry gilt Scientist als eines der bekanntesten Gesichter des Reggae-Subgenres, das so viel mehr ist als bloß ein Subgenre.
Wo andere noch nach den richtigen Worten suchen, sezieren Dub-Musiker wie Scientist längst Songs, begeben sich auf eine Geistersuche, auf die Suche nach der Essenz von Musik und polieren die Funde so lange auf bis glänzende Diamanten aus rhythmischer Struktur und Spurenelementen einer höheren Macht (nennen wir sie mal Jah!) entstehen. Dafür muss man verrückt oder eben ein Wissenschaftler sein. Ganz sicher ist: Scientist wird auch nach all diesen Jahren nicht müde das Space Echo voll aufzudrehen. Exklusiv auf dem Week-End Fest präsentiert er sein 1981er Meisterwerk „Scientist scientist rids the world of the evil curse of the vampires“ mit dem 7-köpfigen Londoner Dub-Kollektiv The Upper Cut Band ubegleitet von dem Vokalisten Tito Bun

Lafawndah

Wie eine ganze Reihe von Künstler*innen (von FKA Twigs bis Kelela) versteht es die in London lebende Sängerin Lafawndah sich auf einem Bassbett auszubreiten und einen neuen, eigenwilligen, futuristischen R’n’B des 21. Jahrhunderts zu emanzipieren, der zwar das Gefühl und die Intensität einer Aaliyah teilt, doch Swag und Coolness hinter sich gelassen hat. Hier geht es nicht mehr nur um das Eine, sondern gleich um Alles. Lafawndah, die selbst im Iran geboren wurde und später in Paris und New York aufwuchs, hinterfragt nicht nur Modelle von „Herkunft“ und „Heimat“ sondern gleich ein ganzes identitäres Koordinatensystem, das sich gleichsam auch aus „Gender“ und „Desire“ speist. Dafür orientiert sie sich beim Songwriting und den Lyrics nicht etwa beim nächstbesten Trend, sondern direkt bei den ganz großen: Scott Walker ist eine ihrer wichtigsten Inspirationsquellen, was sie gerne auch – vor allen Dingen nach dem Tod des großartigen Musikers – live mit Neuinterpretationen des Walker’schen Oeuvres beweist.

Emerson Kitamura & mmm

Wer Emerson Kitamuras 2016’er Album „The Countryside is Great“ gehört hat, der kann vielleicht erahnen, was denn da kommt. Auf diesem Mini-Album wartete unter Anderem die unglaublich charmante Cover-Version des George McCrae-Klassikers „Rock Your Baby“ – mit mmm (sprich me-my-mo) als Vocalistin. Hier verband sich der dubbige (Spielzeugpiano-)Synthesizer-Funk Kitamuras und der vorsichtige Gesangsvortrag der japanischen Sängerin nicht bloß zu einem Hit, sondern klar, gleich zu einer Hymne des Andersseins. Verträumt, freakig und manchmal auch impressionistisch-pittoresk: Ein Duo, das keine Synapse unangeschaltet lässt.

Emerson Kitamura & mmm werden am Festival-Samstag ein intimes Set – ihr erstes überhaupt ausserhalb Japans – in der Dublab Lounge ihr Konzert geben.





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